Episode 269
Episode 269 · B2–C1
Johann Sebastian Bach – Eine Biografie
📏 Geschichte & Persönlichkeiten
⌛ ca. 40 Minuten
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B1
B2
C1
Einleitung
So und heute gibt’s mal ‘ne interessante Episode, und zwar zum Leben von Johann Sebastian Bach. Wir schauen uns also die Biografie an, der, du kennst Bach, der Komponist, der Organist. Und wir versuchen, äh, dabei auch ein bisschen unser Deutsch zu verbessern. Wenn du so auf dem B2, C1 Niveau bist, dann ist diese Episode wahrscheinlich besonders hilfreich für dich. Wir schauen uns also die Biografie an und dabei werd ich ‘n paar Wörter erklären, die für dich vielleicht neu sind oder unklar, die du vielleicht nicht so genau kennst. Ah ja, also wir fangen an. Im Jahre 1685, um genauer zu sein, am 21. März 1685, wird Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren. Wo liegt Eisenach? Richtig, das liegt in Thüringen, also im ehemaligen Osten von Deutschland. Und er wird geboren in eine, ja, Musiker, äh, Dynastie. Sein Vater, sein Großvater, die sind alle Musiker von Beruf. Also das, äh, war also nicht besonders schwer für Bach, sich für Musik zu interessieren und da auch gut zu sein in diesem Bereich. Äh, sein Vater Johann Ambrosius Bach brachte ihm vermutlich das Geigenspieldas Geigenspiel → violin playing; die Geige = die Violine (the violin) bei. Also die Geige ist die Violine, also the violin. Und, ähm, ja, dann gab’s schon sehr früh im Leben von Bach oder von Johann, ähm, ein Familienunglück beziehungsweise gleich zwei. Und zwar ist seine Mutter im Alter von neun gestorben und dann ein Jahr darauf ist sein Vater gestorben. Das bedeutet, ab dem zehnten Lebensjahr war er dann schon ein Vollwaiseder Vollwaise → orphan (both parents deceased); Waise = one parent gone; Voll- = both parents, also ein Waisenkind. Waise ist, ähm, ein, äh, Waise ist, wenn die Eltern nicht mehr am Leben sind. Auf Englisch würde man wahrscheinlich sagen orphan. Und daraufhin zog er dann zu seinem Bruder Johann Christoph Bach. Der war auch Organist. Organist ist ein Orgelspieler. Das musste ich auch erst lernen. Ist interessant, wie viele Organisten ich in der Vergangenheit und auch aktuell als Schüler habe. Die wissen auch immer deutlich mehr über Musik und über Musiker und über Bach und so weiter als ich. Mir hilft diese Episode auch ‘n bisschen, um mehr über das Thema zu lernen und das interessiert mich schon. Ähm, und dieser Bruder, Johann Christoph Bach, brachte also, ähm, Johann Sebastian Bach das Orgel- und Cembalospiel bei. Dann gibt’s ‘ne interessante Episode, äh, Anekdote, vielleicht auch Episode. Da zeigte sich schon so’n bisschen die Leidenschaftdie Leidenschaft, -en → passion; starke Begeisterung und Hingabe für etwas und dieses, dieser, dieses Durchsetzungsvermögendas Durchsetzungsvermögen → assertiveness; die Fähigkeit, die eigenen Ziele trotz Widerstand zu erreichen, äh, von Johann Sebastian Bach. Und zwar, ähm, hat der ein verbotenes, verbotenes Musikstück Ähm, oder Notenheft abgeschrieben von seinem Bruder. Sein Bruder hat das vor ihm verheimlicht oder wollte, hat ihm das nicht erlaubt, dieses Musikstück oder diese Musikstücke zu lernen, weil’s irgendwie zu fortgeschritten war und so weiter. Aber, mhm, der junge Bach hat sich da nicht, ähm, beirren lassen und wollte schon mehr lernen, als sein Bruder ihm erlaubte. Hat das also abgeschrieben und hat dann versucht, diese Musikstücke zu lernen. Gibt’s noch interessante Wörter, die wir hier, ähm, also das Wort Organist und das Wort die Geige beziehungsweise das Geigenspiel. Das sind, glaub ich, zwei interessante Wörter, äh, die für dich vielleicht neu sind. Dann gibt’s noch ‘n paar andere Wörter. Er hat ihm das Orgelspiel beigebracht. Das hatten wir ja bei, mit den Verben bringen, also ihm etwas beibringen, ihm zeigen, wie das funktioniert und so, dass er das dann auch kann. In dem Fall das Orgelspiel.
Kapitel 2: Die Wanderjahre
So, und jetzt kommen wir zu Kapitel zwei: Die Wanderjahre. Und ein, ja, und ein berühmter Fußmarsch nach Lübeck. Also mit 15 verließ dann Bach schon, äh, seinen Bruder und ging nach Lüneburg. Lüneburg liegt in der Nähe von Hamburg. Eisenach liegt ja in der Nähe von Erfurt, also so, ja, also in, in, in Thüringen eben. Und Lüneburg ist dann schon ‘n Stück weit weg in der Nähe von Hamburg, wo er dann als Sängerknabeder Sängerknabe, -n → choirboy; ein Junge, der in einem Knabenchor singt und später dann auch als Musiker arbeitete und sich weiterbildete. Hier ist vielleicht noch interessant das Wort der Knabeder Knabe, -n → boy (formal/archaic); heute meist: der Junge; in der Medizin noch üblich. Ähm, äh, der Knabe ist ‘n Wort, das bedeutet so was wie Junge. Und ich kann mich dran erinnern, dass meine Frau und ich wir mal beim Arzt waren hier in Deutschland und der Arzt hat das Wort Knabe verwendet, weil wir, ähm, Ultraschalluntersuchungen hatten, als Theo noch nicht geboren war. Äh, und da hat er halt feststellen können bei der Ultraschalluntersuchung, dass Theo ein Knabe ist. Und Luise wusste in dem, also meine Frau wusste in dem Moment nicht, was ist denn jetzt Knabe? Und so haben wir das Wort Knabe gelernt. Der Knabe ist ja mal ‘n Wort, das wir jetzt eigentlich eher seltener verwenden würden. Wir würden eher sagen Junge. Vielleicht verwendet man das Wort Knabe in der Medizin eher. Ich weiß es nicht. Na ja, jedenfalls, äh, hat er dann in Lüneburg gelebt und danach folgten dann feste Stellen, also feste Arbeitsstellen. 1703 wurde er dann Organist in Arnstadt und ab 1707 dann in Mühlhausen. Beide liegen in der Region um Eisenach. Also er ist dann wieder von Lüneburg zurück in seine Region gezogen, da wo er herkam. Das ist interessant. Das liegt auch alles so an der Grenze zu Westdeutschland. Ähm, wenn ihr euch das mal auf der Karte anschaut. Okay, so und dann, äh, passierte was Interessantes. Ähm, als er dann im Winter, äh, 1705 wollte Bach einen, bat Bach um einen vierwöchigen Urlaub, um an seiner Stelle in Arnstadt, um, äh, nach Lübeck, das ist ja auch wieder weiter weg, irgendwie 400 Kilometer entfernt, um da den berühmten Organisten Dietrich Buxtehude, ist auch interessant, Buxtehude, ähm, zu hören und von ihm zu lernen. Äh, ja, okay, vier Wochen Urlaub ist sportlich, aber, äh, das Problem war, dass die Strecke, dass er die Strecke zu Fuß ging. Aus den vier Wochen wurden dann am Ende also vier Monaten, Monate. Je nach Quelle, ja, gib, es sind natürlich alles Überlieferungendie Überlieferung, -en → historical record, tradition; mündlich oder schriftlich weitergegebene Information. Keiner hat jetzt da, äh, ‘nen Video, äh, mit dem Handy aufgenommen, um das zu bestätigen Und natürlich kam er dann nach den vier Monaten wieder und, äh, die Leute in Arnstadt, äh, der Kirchenvorstand in Arnstadt war natürlich ‘n bisschen weniger amüsiert über, äh, diese vier Monate, die er also nicht da war und, äh, die dachten eben, dass seine eigenmächtigeeigenmächtig → unauthorized; ohne Erlaubnis auf eigene Initiative handelnd; auf eigene Faust Abwesenheit sehr respektlos war. Und, ähm, und, und, und so konnte man also schon sehen, dass er mit gerade mal 20 schon sehr sturstur → stubborn; weigert sich, seine Meinung zu ändern; setzt immer den eigenen Kopf durch war und seinen eigenen Willen hatte. In dem Fall wollte er sich ja eigentlich nur musikalisch weiterbilden. Diese Sturheitdie Sturheit → stubbornness; die Eigenschaft, stur zu sein; unbeweglich in seiner Haltung oder vielleicht auch Beharrlichkeitdie Beharrlichkeit → perseverance, grit; beharrlich = persistent; lässt sich durch nichts abbringen sollte sein ganzes Leben lang begleiten. Er war also kein einfacher Angestellter. Er wusste, was er konnte und ließ sich ungern etwas absprechen. Und hier hab ich mir noch aufgeschrieben, dass, ich hab noch so ‘n bisschen recherchiert und hab herausgefunden, dass man denkt ja heutzutage, dass Bach, ah, so Bach ist so klassische Musik. Du bist, du meditierst irgendwie, du versuchst dein, dein Ich ins, in, in Gleichklang zu bringen. Du versuchst, dich irgendwie zu entspannen und so weiter. Aber interessant ist, dass, äh, Bach eigentlich ‘n ziemlicher Hitzkopfder Hitzkopf, -köpfe → hothead; jemand, der schnell wütend wird und impulsiv handelt war. Es gibt sogar mal, äh, die Situation, dass er den Degender Degen, – → rapier, sword; ein schmales Stichschwert; ältere Waffe, also so ‘n schwertähnliches Ding, ‘nen Degender Degen, – → rapier, sword; ein schmales Stichschwert; ältere Waffe gezogen hat, weil jemand versucht hat, sich mit ihm zu streiten. Ähm, und auf offener Straße hat, gab’s dann also Prügeleien mit seinem Degen dazu. Das ist auch– Und er war auch ein Coffee Addict, äh, kaffeesüchtigkaffeesüchtig → addicted to coffee; süchtig nach Kaffee; Bach schrieb sogar ein humorvolles Werk zum Thema Kaffee. Also er hat sogar mal ‘nen, ‘nen, ‘nen, ‘nen Werk geschrieben, so ‘n bisschen als Humor zum Thema Kaffee. Äh, also er war kaffeesüchtig und, äh, hat sich, war auch ein Hitzkopf. Das ist interessant. Also um vielleicht auch so ‘n bisschen den Charakter von Bach ‘n bisschen mehr zu verstehen. Man stellt sich so diesen Gelehrten und diesen Musiker, Virtuos und so weiter vor. Aber das sind auch alles nur Menschen. Und er hatte ja auch, ich weiß nicht, ob ich das später noch mal sagen werde, 20 Kinder und von diesen 20 Kindern haben zehn überlebt. Das muss man auch erst mal schaffen, 20 Kinder, 20 Kindern von zwei Frauen. Ähm, vielleicht, um so ‘n bisschen diesen Charakter von, äh, von Bach noch so ‘n bisschen besser zu verstehen, find ich, wenn man sich die Musik auch anhört. Wörter, die ich noch erklären wollte, ist, äh, Sturheit. Also wenn jemand stur ist, dann versucht jemand also etwas seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Stubbornness. Und Beharrlichkeit ist dann so ‘n bisschen wie, ähm, da gibt’s ‘n anderes Wort. Ah, das fällt mir grad nicht ein. Ähm, das verwenden, ist ‘n englisches Wort, das verwenden Leute aber mittlerweile häufig auf Deutsch. Fällt mir aber nicht, grade nicht ein. Grit gibt’s vielleicht noch als anderes Wort, was man jetzt auf, als Englisch übersetzt. Jemand ist beharrlich, jemand versucht immer, sich durchzusetzen. Ja. Ähm, noch was, noch was, noch was. Eigenmächtig, also man versucht, etwas auf eigene Faust durchzusetzen, selbstständig, ähm, ohne vielleicht Befugnis, ohne Erlaubnis, hat er es trotzdem gemacht. So, also das war interessant. Wir haben jetzt schon so ‘n bisschen besseres Bild, wie denn eigentlich Bach so drauf war.
Kapitel 3: Weimar
Jetzt kommen wir nach Weimar. Aufstieg und Gefängnisaufhalt. Okay, 1708 wechselte dann Bach nach Weimar. Weimar liegt auch da in der Nähe, also in dieser Region, äh, um da am Hof des Herzogs zu arbeiten. Zunäch-, zunächst als Hoforganist und später dann als Konzertmeister. Da wurd er, wurde er dann befördert zum Konzertmeister. Die Beförderungdie Beförderung, -en → promotion; eine höhere Position im Job bekommen ist also, wenn du, äh, wenn du ganz normal im Job erst bist du Manager und dann bist du, was weiß ich, Manager einer ganzen Abteilung und dann bist du C, C irgendwas O, ähm, und so weiter. Du wirst also befördert, you’re gonna be promoted. So, und das war natürlich ‘ne deutliche Karriereweiterentwicklung. Ähm, und in Weimar entstanden dann viele seiner bekanntesten Orgelwerke, darunter die Toccata und Fuge in d-Moll, eines der bekanntesten Orgelstücke überhaupt. Und, äh, vielleicht schaff ich das, hier diese Musik noch, äh, einzublenden, sodass wir uns das noch kurz anhören können. Aber wenn ich das, äh, egal, ob wir uns das jetzt anhören konnten oder nicht, was interessant ist zur Toccata und zur Fuge, weil ich bin jetzt nicht leider musikalisch nicht gut genug gebildet, um das zu wissen. Deshalb musste ich das so ‘n bisschen heraussuchen. Das geht ja heutzutage relativ einfach. Toccata kommt aus dem Italienischen und bedeutet berühren, also to touch. Und das soll bedeuten, dieses virtuose Berühren der Tasten durch den Organisten. Toccata ist so’n Stil frei, dramatisch, Kreativität und kreativ, plötzliche Pausen, mächtige Akkorde. Also wenn man sich das Musikstück anhört, dann, dann, dann merkt man das auch. Grade am Anfang, diese Toccata, wo es also so kreativ, so ‘n bisschen dramatisch und so weiter. Und dann die Fuge kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Flucht. Aber nicht, dass man jetzt flüchtet, sondern, ähm, diese einzelnen Melodien, äh, oder diese Melodiestimmen, die jagen sich gegenseitig und fliehen voreinander weg. So in die, so in die Richtung ist das gedacht. Und die Fuge ist also mathematisch streng, folgt einem bestimmten Prinzip und so weiter. Ist also, weiß nicht, ob’s das Gegenteil ist, ist aber eben man, man, man hört den Kontrast, wenn man sich das anhört, die Toccata und die Fuge, dann merkt man das. Und das Ganze ist in d-Moll, wenn ich, genau in d-Moll und diese Moll-Töne, die klingen ja eher düster, traurig und dramatischer als Dur. Finde ich noch interessant. Äh, vielleicht, wenn du, äh, gerade Auto fährst, vielleicht kannst du dir ja nach der Podcast-Episode dann noch mal ganz genüsslich Toccata und Fuge in d-Moll von Bach anhören. Vielleicht, äh, vielleicht, vielleicht, äh, äh, lässt das ja deinen Tag besser ausklingen oder beginnen, je nachdem, in welche Richtung du gerade mit dem Auto fährst, ob von der Arbeit oder zur Arbeit Wir machen weiter. Er hat also da in Weimar dieses, viele bekannte Orgelwerke, äh, äh, komponiert. Ähm, und hier gibt’s auch noch was Interessantes. Ähm, hier gab’s ‘n Konflikt. Als Bach 1717 eine bessere Stelle in Köthen anbe-angeboten bekam und den Herzog um eine Entlassung bot, reagierte dieser ungehaltenungehalten → displeased, annoyed; verärgert über das Verhalten einer anderen Person. Also der Herzog in Weimar mochte das nicht, dass er eine bessere Stelle in Köthen bekommen hat und wollte Bach nicht gehen lassen und sperrte ihn ein für fast vier Wochen ins Gefängnis, weil Bach eben so hartnäckighartnäckig → persistent, tenacious; lässt sich nicht abbringen; gibt nicht auf auf seiner Kündigung bestand, auf seine Kündigung bestand. Also es ist interessant, dass Bach, äh, eben diesen hartnäckigen, diesen hitzköpfigen Charakter hatte und sogar dafür ins Gefängnis gesteckt wurde, weil stell dir das vor, du wirst heute, willst kündigen und dein Boss sagt dir: „Nee, nee, nee, du kannst hier nicht kündigen. Wir brauchen dich.” Und dann sagst du: „Äh, nee, ich hab ‘n besseres Angebot bekommen, will da hin.” Und dann verknackt dich dein Chef. Also es ist, ein bisschen, waren andere Zeiten. Ähm, ein Arbeitgeber sperrt ihn, genau richtig. Und dann fiel er noch in Ungnadenin Ungnade fallen → to fall from favor; das Wohlwollen einer mächtigen Person verlieren; in Missgunst geraten. Äh, und das Ung, in Ungnaden fallen ist noch interessant. Also das Wohlwollen einer anderen Person, einer mächtigen Person verlieren, ähm, in Missgunst geraten. Also wenn eine andere Person dein Ansehen nicht mehr hat, also die andere Person mag dich nicht mehr. Du bist in Ungnaden gefallen, in Ungnade gefallen. Sorry, Singular. Du bist in Ungnade gefallen. Ähm, gibt’s noch was Interessantes dazu? Nein, das hab ich alles gesagt.
Kapitel 4: Köthen
Dann kommen wir jetzt zu Kapitel vier. Jetzt ist er in Köthen Und dort arbeitete dann Bach also ab 1717 als Kapellmeisterder Kapellmeister, – → musical director; Leiter eines Orchesters oder einer Hofkapelle für Fürst Leopold von Anhalt und Köthen. Der war, äh, calvinistisch, ein calvinistischer Fürst, äh, und, äh, äh, s-so, äh, gab’s eben auch den calvinistischen Gottesdienst und, äh, das bedeutet, dass diese aufwendige Kirchenmusik keine Rolle spielte oder wenig eine Rolle spielte. Und das führte dazu, dass Bach viel Zeit, äh, hatte, um zu komponieren. Äh, calvinistisch bedeutet, kurz gesagt, ist ja eine Ableitung aus d– also eine Strömung, äh, des, aus der, aus dem protestantischen Christentum und das ist also eine strenge, schlichte, arbeitsame Auslegung des Glaubens. Ja, äh, calvinistisch, da gab’s ja diesen Calvin, hieß der Johann Calvin. Und der hatte also ‘ne andere Idee, wie der Protestantismus zu verstehen ist. Ähm, und eben dieser Fürst Leopold von Anhalt und Köthen war eben Calvinist oder calvinistisch. Genau und Bach hatte dort also seine produktivste Phase in Köthen, weil er eben nicht so viel Zeit damit verbringen musste, in der Kirche zu spielen, konnte er so viele Musikstücke, weltlicheweltlich → secular, worldly; nicht kirchlich, nicht religiös; Gegenteil: geistlich Instrumentalmusik komponieren. Hier entstanden auch die oder unter anderem die Brandenburgischen Konzerte, das wohltemperierte Klavier Teil eins und die Suiten und Sonaten oder zahlreiche Suiten und Sonaten. Äh, dann Fürst Leopold, äh, war selbst ein begeisterter, ähm, und relativ kompetenter Musikliebhaber und, äh, hatte ein ausgenommen gutes, ein, äh, äh, ähm, ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Bach, was ja für den, für den hitzköpfigen Bach jetzt keine, sagen wir mal, nicht üblich war, eher selten, dass er ein richtig gutes Verhältnis zu seinem Vorgesetzten hatte. Normalerweise war Bach, hatte Bach jetzt eher so ‘n sehr, sagen wir mal, freien Geist und konnte mit seinen Vorgesetzten häufig nicht so gut ausk-auskommen, weil er eben seine eigenen Ideen hatte. Kann ich irgendwie sehr gut nachvollziehen. Ich erkenn mich da so’n bisschen wieder. Ähm, aber dann gab es einen Schicksalsschlagder Schicksalsschlag, -schläge → stroke of fate; ein plötzliches, schweres Unglück, das das Leben verändert. Ähm, Schicksalsschlag kann ich das Wort noch erklären? Äh, also ein Unglück, ein Verlust, eine Tragödie. Und dieser Schicksalsschlag ist also, während er mit seinem Fürsten auf Reise war, starb seine Frau. Und als er wiederkam, das ist besonders dramatisch, w-war sie schon beerdigt. Ähm, ja. Also seine Frau starb und hinterließ vier überlebende Kinder. Also er hatte, ja. So, das war dann eben ‘n Schicksalsschlag, eine nicht so schöne Sache. 1721 heiratete er dann wieder und, äh, Anna Lena Magdalena Wilke oder Wilke und sie war eine talentierte Sängerin. Und, äh, das, weil sie eben so musikalisch war, war das auch eine sehr glückliche und musikalisch fruchtbarefruchtbar → fruitful, productive; im übertragenen Sinne: sehr produktiv; trägt reiche Früchte Zeit für ihn. Ähm, genau und, äh, und sie kopierte dann auch seine, seine Notenbücher und, äh, seine Noten und trug also dazu bei, dass die Musik von Bach erhalten bleibt. Ähm, genau, richtig. V-vielleicht das Wort fruchtbar noch. Also wenn etwas Früchte trägt, wenn etwas in diesem Fall übertragen sehr produktiv ist, eine sehr musikalisch produktive Zeit, eine sehr musikalisch fruchtbare Zeit. Genau.
Kapitel 5: Leipzig
So, dann kommen wir jetzt weiter. Ich muss hin und machen, sodass ihr nicht hier ei– schon, schon irgendwie zu müde werdet und einschlaft. Ähm, so, wir machen weiter. Ähm, jetzt geht er nach Leipzig. Wir sind im Jahre 1723 und dann in diesem Jahr zieht Bach also mit seiner Familie nach Leipzig, wo er die Stelle des Thomaskantorsder Thomaskantor → cantor at St. Thomas Church; Leiter der Musik an der Thomaskirche in Leipzig antrat. Und, äh, dort war er also verantwortlich für mehrere Leipziger Kirchen und natürlich vor allem die Thomaskirche und lehrte auch an der Thomasschule. Da gibt’s noch ‘n paar interessante, also viele interessante Dinge, äh, dazu. Äh, wenn ihr mal Leipzig besuchen solltet, vielleicht könnt ihr dann auch die Thomaskirche besuchen. In Leipzig war er enorm produktiv. Wir erinnern uns, er war ja kaffeesüchtig, also die Produktivität, der Kaffeekonsum hat wahrscheinlich auch zur Produktivität beigetragen. Er komponierte dort fast wöchentlich neue Kantatedie Kantate, -n → cantata; mehrstätziges Vokalwerk für Chor, Solisten und Orchester für den Wochenendienst. Über 200 sind erhalten, vermutlich hat er noch deutlich mehr geschrieben. Johannespassion, Matthäuspassion und beides sind monumentale Werke über die Lebensgeschichte Jesu.
Kapitel 6: Spätwerke und Tod
So, und jetzt kommen wir zum Kapitel sechs, also zu dem Ende vom Leben von Johann Sebastian Bach. Seine Spätwerke waren abstrakter, fast mathematisch und, ähm, diese sind zum Beispiel die Goldberg-Variation, die Kunst der Fuge, unvollendetunvollendet → unfinished; nicht zu Ende gebracht; vollenden = to complete, to finish und das musikalische Opfer. Und diese zählen zu den intellektuell anspruchsvollstenanspruchsvoll → demanding, sophisticated; stellt hohe intellektuelle oder künstlerische Anforderungen Werken seiner gesamten Schaffenszeit. Wir hören uns jetzt bestimmt alle demnächst diese Werke, äh, an und gucken mal, ob wir die intellektuell anspruchsvoll finden, ob wir die schön finden oder ob nicht. Kannst ja mal in die Kommentare schreiben, ob dir Bachs Musik gefällt und welches Musikstück dir am besten gefällt. Das würde mich interessieren. Vielleicht lerne ich ja auch noch was. Das musikalische Opfer entstand nach einem berühmten Besuch und das ist interessant. Das ist ziemlich interessant. 1747 wurde er nämlich von Friedrich dem Großen eingeladen nach Potsdam. Genau. Und das ist der gleiche Friedrich der Große, den wir schon von Voltaire kennen. Ne, ist interessant. Friedrich der Große, der war echt ein, sagen wir mal, ein, eine, eine interessante Person. Zu dem müssen wir auf alle Fälle auch mal ‘ne Episode machen. Der hatte also Briefkontakt oder, äh, äh, Brieffreundschaft, das sagen wir eher, eine Brieffreundschaft mit Voltaire, der ihn ja auch mal besucht hatte und da für drei Jahre gelebt hat und lud auch interessante Leute an, wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach. Der Klö, der König, äh, also Friedrich der Große war selbst ein begeisterter Flötenspieler und, äh, Musikliebhaber und die beiden, äh, hatten also, äh, hatten also echt ‘ne gute, ‘ne gute Zeit zusammen und Bach, ähm, bat ihn, äh, zu improvisieren und war so begeistert davon, dass er sogar sprachlos war, wie gut Bach denn Musik machen konnte und auch improvisieren konnte. Genau, als Dank arbeitete Bach das Thema danach zu Hause zu einem ganzen Stück, zu einem ganzen Werkzyklus aus. Und das war dann also das musikalische Opfer. Das entsprang also aus dieser Zeit, aus diesem Besuch in Potsdam bei Friedrich dem Großen. Okay, so, wir machen weiter. Ähm, dann die späten Jahre von Bach waren dann doch eher von Leid geprägt. Das Wort prägen kennst du, das Wort Leiden, it was, also das, äh, Leiden, the suffering und das Leid, ja, es war von Leid, ähm, es gab viel Leid, äh, zu seiner Zeit am Ende seines Lebens. Warum? Weil seine Augen sich verschlechterten und, äh, er hatte vermutlich Grauen Star. Grauen Star ist cataract. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Grauen Star, also ein Stadium, ein Vorstadium der Erblindung. Und er unterzog sich einer Augenoperation durch einen britischen Wanderarztder Wanderarzt, -ärzte → traveling physician; ein Arzt, der von Ort zu Ort zog, um Patienten zu operieren. Wanderarzt ist auch– Gibt es heutzutage noch Wanderärzte? Das ist auch so, das erinnert mich irgendwie an den Film Medicus. Gab’s da nicht auch ‘n Wanderarzt? Na ja, und dieser Wanderarzt John Taylor, der zog durch Europa und operierte Patienten, aber hatte natürlich höchst zweifelhafte Methoden und die Operation ging schief, misslang. Und, ähm, daraufhin aufgrund dieser Operation erblindeteerblinden → to go blind; das Augenlicht vollständig verlieren; er-Verben beschreiben einen Zustandswechsel Bach dann vollständig. Und wenige Monate später, am 28. Juli 1750, starb Johann Sebastian Bach dann in Leipzig, vermutlich an den Folgen eines Schlaganfallsder Schlaganfall, -fälle → stroke; plötzlicher Ausfall der Gehirnfunktion; Schlag + Fall = a blow that fells you. Schlaganfalls ist stroke. Weiß ich jetzt auch nicht genau, wie ich das genauer erklären soll. Also ein, ein, ein, ein Schlaganfall eben. Äh, möglicherweise durch irgendwie diese missglückte, äh, Operation. Die hat das wahrscheinlich begünstigt, dass diese, dieser Schlaganfall passierte. Also Bach wurde 65 Jahre alt. Ähm, gibt’s noch Wörter, die ich erklären sollte? Schlaganfall ist stroke, grauer Star cataract, äh, Wanderarzt, also wandern, also ein Arzt, der immer umherwandert, der also nicht an einem Ort lebt oder ist. Und erblinden als Verb ist also blind werden. Ja, kann man au-au-auch als Verb verwenden. Er erblindet oder er erblindete. Genau und jetzt kommen wir zum letzten Kapitel.
Kapitel 7: Das Erbe
Ähm, im Prinzip, eigentlich hab ich schon, äh, sehr viel erzählt, was ich im letzten Kapitel erzählen wollte. Also nach, äh, Bachs Tod und das ist interessant, ähm, passierte etwas, was aus heutiger Sicht kaum zu glauben ist, denn er geriet in Vergessenheitin Vergessenheit geraten → to fall into oblivion; nicht mehr bekannt oder beachtet werden; vergessen werden. Also dieses musikalische Multitalent, das heutzutage jeder kennt. Jeder kennt das, den Namen Johann Sebastian Bach und danach, als er gestorben ist, kannte ihn keine Sau mehr. Also kaum jemand kannte ihn. Äh, zu Lebzeiten war er hauptsächlich als Organist und Improvisator berühmt. Also jetzt nicht als dieser, weiß ich nicht, dieser Übermusiker. Äh, der musikalische Geschmack veränderte sich dann auch und die jüngere Generation, unter anderem seine eigenen Söhne, komponierten Musik in einem leichteren, galanten Stil. Na ja, und, äh, d– Leute dachten also, dieser Musik von Bach sei altmodisch und eben nicht mehr modern. Na ja, aber dann kam Felix Mendelssohn Bartholdy und, äh, äh, der dirigierte in Berlin eine Aufführung der Matthäus-Passion, welche von Bach komponiert wurde. Und diese Aufführung gab’s 1829 und ab dieser Aufführung, ab diesen, diesem Zeitpunkt erlebte, äh, Bach, Bachs Musik eine regelrechteregelrecht → veritable, downright; umgangssprachlich für: wirklich, richtiggehend; betont die Intensität Bach-Renaissance. Und, äh, er wurde dann eben zunehmend zu einem der größten Komponisten aller Zeiten anerkennt, anerkanntanerkennen → to recognize, acknowledge; jemandem den verdienten Status oder die Leistung bestätigen. Jemanden anerkennen, ah, das hatten wir, glaub ich, schon. Die Anerkennung, anerkannt, das hatten wir, glaub ich, in der Schopenhauer-Episode. Also das is interessant. Er is also gestorben und dann, äh, also 1750 is er gestorben und dann erst 1829 wurde seine Musik dann wiederentdeckt. Das is krass, also fast 80 Jahre später. Er, seine Musik, äh, geriet 80, fast 80 Jahre in Vergessenheit. D-das is schon lange, also 80 Jahre, überleg mal. Das is interessant. Ähm, genau und dann wollte ich noch die Anekdoten erzählen mit kaffeesüchtig und er zog den Degen, war sehr hitzköpfig, aber, ähm, war ein Hitzkopf, äh, aber das hab ich ja schon erwähnt vorhin und das brauch ich jetzt also nicht noch detaillierter erklären. Heute gilt Bach, äh, vielen Musikern und, äh, Musikwissenschaftlern als eine Art Fundamentdas Fundament, -e → foundation, bedrock; die Grundlage, auf der etwas aufgebaut ist der westlichen Musik überhaupt. Seine Werke werden in Konservatorien weltweit studiert. Seine Harmonik und Kontrapunktik gilt als Höchstform kompositorischer Technik. Ja, also das klingt jetzt vielleicht ‘n bisschen für jemand, der sich nicht so super gut mit Musik und Musikwissenschaft auskennt. Also er ist heute wirklich einer der beeindruckendsten Komponisten überhaupt. In Leipzig kannst du die Thomaskirche besuchen. Dort finden jährlich Aufführungen statt oder regelmäßig jährlich Aufführung, regelmäßig Aufführung seiner Werke statt. Also solltest du mal Deutschland besuchen, besuche vielleicht Leipzig und besuche die Thomaskirche, um dort die Musik von Bach wiederzuerleben, wie Bach sie damals vielleicht gespielt hat. Und sein Grab liegt auch dort im Altarraum der Kirche, in der er einst arbeitete.
Outro
So, und damit vielen herzlichen Dank. Ich hoffe, dir hat die Episode gefallen. Ich hoffe, du hast auch ‘n bisschen Deutsch gelernt. Ähm, wenn du ‘n paar Wörter nicht verstanden hast, dann schau dir meine Mitgliedschaft an. In der Mitgliedschaft werde ich mir das Transkript hier oder das Skript und das Transkript noch mal genauer anschauen und Wörter detaillierter erklären, die ich hier vielleicht nicht gut genug erklärt habe. Die Mitgliedschaft kannst du ausprobieren für einen Monat für einen Euro. Danach gibt’s dann den ganz normalen Preis. Das alles findest du auf meiner Website, expertlygerman.com. Und schreib in die Kommentare: Gefällt dir diese Episode? Soll ich mehr Episoden zu Personen wie Bach aufnehmen und so weiter? Äh, wie gefällst du meinen, wie gefällt dir mein Stil? Sollte ich vielleicht noch mehr einzelne Wörter erklären? Sollte ich irgendwelche Dinge noch detaillierter erklären, die dir dabei helfen, die Wörter zu verstehen, die Sprache besser zu lernen? Dein Feedback hilft mir. Wenn du mir kein Feedback in den Kommentaren gibst, kannst du mir auch einfach ‘ne E-Mail schreiben. Die E-Mail-Adresse ist tom@expertlygerman.com. Vielen herzlichen Dank. Tschüss und bis zum nächsten Mal.
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📈 Schnellübersicht – Schlüsselwörter
| Wort | Niveau | Englisch |
|---|---|---|
| das Geigenspiel | B1 | violin playing |
| die Leidenschaft, -en | B1 | passion; intense enthusiasm |
| der Vollwaise | C1 | orphan (both parents deceased) |
| das Durchsetzungsvermögen | C1 | assertiveness; ability to push through |
| der Sängerknabe, -n | B2 | choirboy |
| der Knabe, -n | B1 | boy (formal/archaic) |
| die Überlieferung, -en | C1 | historical record; tradition |
| eigenmächtig | C1 | unauthorized; acting without permission |
| stur | B2 | stubborn |
| die Beharrlichkeit | B2 | perseverance; grit |
| der Hitzkopf, -köpfe | B2 | hothead |
| der Degen, – | C1 | rapier; sword |
| die Beförderung, -en | B2 | promotion (at work) |
| ungehalten | C1 | displeased, annoyed |
| hartnäckig | B2 | persistent, tenacious |
| in Ungnade fallen | C1 | to fall from favor |
| der Kapellmeister, – | B2 | musical director; court conductor |
| weltlich | B2 | secular; worldly |
| der Schicksalsschlag, -schläge | C1 | stroke of fate; tragic blow |
| fruchtbar | B2 | fruitful; productive (figurative) |
| der Thomaskantor | C1 | cantor at St. Thomas Church |
| die Kantate, -n | B2 | cantata |
| anspruchsvoll | B2 | demanding; sophisticated |
| unvollendet | B2 | unfinished |
| der Wanderarzt, -ärzte | C1 | traveling physician |
| erblinden | B2 | to go blind |
| der Schlaganfall, -fälle | B2 | stroke (medical) |
| in Vergessenheit geraten | B2 | to fall into oblivion |
| regelrecht | C1 | veritable, downright |
| das Fundament, -e | B2 | foundation; bedrock |
B1
das Geigenspiel
violin playing – Das Spielen der Geige (Violine). Die Geige = das Streichinstrument, auf Englisch: violin.
„Bachs Vater brachte ihm vermutlich das Geigenspiel bei.“
antippen
B1
die Leidenschaft, -en
passion – Eine starke, intensive Begeisterung oder Hingabe für etwas. Mehr als nur Interesse.
„Da zeigte sich schon so’n bisschen die Leidenschaft von Johann Sebastian Bach.“
antippen
C1
der Vollwaise
orphan (both parents deceased) – Ein Kind, dessen beide Elternteile gestorben sind. Waise = ein Elternteil gestorben; Voll- = beide.
„Ab dem zehnten Lebensjahr war er schon ein Vollwaise.“
antippen
C1
das Durchsetzungsvermögen
assertiveness; ability to push through – Die Fähigkeit, die eigenen Ziele und Ideen trotz Widerstand durchzusetzen. Stark und zielstrebig sein.
„Da zeigte sich schon das Durchsetzungsvermögen von Bach.“
antippen
B2
der Sängerknabe, -n
choirboy – Ein Junge, der in einem professionellen Knabenchor singt, oft an einer Kirche oder Schule.
„Mit 15 zog Bach nach Lüneburg, wo er als Sängerknabe arbeitete.“
antippen
B1
der Knabe, -n
boy (formal/archaic) – Ein Junge – eher formell oder veraltet. Heute sagt man meistens: der Junge. In der Medizin noch üblich.
„Der Arzt sagte, dass Theo ein Knabe ist – meine Frau wusste zuerst nicht, was das bedeutet.“
antippen
C1
die Überlieferung, -en
historical record; oral tradition – Eine Information, die mündlich oder schriftlich weitergegeben wurde; historische Quelle ohne direkte Beweise.
„Es sind natürlich alles Überlieferungen – keiner hat ein Video davon gemacht.“
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C1
eigenmächtig
unauthorized; self-authorized – Etwas tun, ohne um Erlaubnis zu fragen; auf eigene Faust handeln, ohne Befugnis.
„Der Kirchenvorstand fand seine eigenmächtige Abwesenheit sehr respektlos.“
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B2
stur
stubborn – Jemand, der seinen Willen durchsetzt und die eigene Meinung nicht ändert. Stubbornness = die Sturheit.
„Er war mit gerade mal 20 schon sehr stur und hatte seinen eigenen Willen.“
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B2
die Beharrlichkeit
perseverance; grit – Die Eigenschaft, beharrlich zu sein: man gibt nicht auf, arbeitet weiter, trotz Schwierigkeiten.
„Diese Sturheit oder vielleicht auch Beharrlichkeit sollte sein ganzes Leben lang begleiten.“
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B2
der Hitzkopf, -köpfe
hothead – Jemand, der schnell wütend wird und impulsiv handelt. Hitz = Wärme/Feuer; Kopf = head.
„Bach war eigentlich ein ziemlicher Hitzkopf – er zog sogar mal den Degen!“
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C1
der Degen, –
rapier; sword – Ein schmales, spitzes Stichschwert; eine ältere europäische Waffe für Duelle.
„Er hat den Degen, also so’n schwerthähnliches Ding, gezogen, weil jemand Streit suchte.“
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B2
kaffeesüchtig
addicted to coffee – Süchtig nach Kaffee. Bach war ein echter Kaffeetrinker – er schrieb sogar eine Kaffee-Kantate.
„Er war kaffeesüchtig und schrieb als Humor sogar ein Werk zum Thema Kaffee.“
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B2
die Beförderung, -en
promotion (at work) – Eine höhere Position im Job bekommen; befördert werden = to be promoted.
„Bach wurde in Weimar befördert – die Beförderung zum Konzertmeister war ein wichtiger Schritt.“
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C1
ungehalten
displeased; annoyed – Verärgert über das Verhalten einer anderen Person; mäßig wütend, unzufrieden.
„Als Bach kündigen wollte, reagierte der Herzog ungehalten.“
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B2
hartnäckig
persistent; tenacious – Jemand, der nicht aufgibt und auf etwas besteht, trotz Widerstand. Positiver als stur.
„Bach bestand so hartnäckig auf seiner Kündigung, dass der Herzog ihn ins Gefängnis sperren ließ.“
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C1
in Ungnade fallen
to fall from favor – Das Wohlwollen einer mächtigen Person verlieren; in Missgunst geraten; nicht mehr geliebt werden.
„Und dann fiel er noch in Ungnaden – der Herzog mochte ihn nun gar nicht mehr.“
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B2
der Kapellmeister, –
musical director; court conductor – Leiter eines Orchesters oder einer Hofkapelle; eine hohe musikalische Position am Fürstenhof.
„In Köthen arbeitete Bach als Kapellmeister für Fürst Leopold.“
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B2
weltlich
secular; worldly – Nicht kirchlich, nicht religiös. Weltliche Musik = Musik, die nicht für den Gottesdienst geschrieben wurde.
„In Köthen konnte Bach weltliche Instrumentalmusik komponieren.“
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C1
der Schicksalsschlag, -schläge
stroke of fate; tragic blow – Ein plötzliches, schweres Unglück; eine Tragödie, die das Leben verändert. Schicksal = fate.
„Als er von der Reise zurückkam, war seine Frau schon beerdigt – ein schwerer Schicksalsschlag.“
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B2
fruchtbar
fruitful; productive – Im übertragenen Sinne: sehr produktiv und erfolgreich. Trägt reiche Früchte – Früchte = fruits.
„Die Zeit mit Anna Magdalena war eine sehr glückliche und musikalisch fruchtbare Zeit.“
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C1
der Thomaskantor
cantor at St. Thomas Church – Der Leiter der Musik an der Thomaskirche in Leipzig; eine der wichtigsten Musikerstellen in Deutschland.
„1723 trat Bach die Stelle des Thomaskantors in Leipzig an.“
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B2
die Kantate, -n
cantata – Ein mehrstätziges Vokalwerk für Chor, Solisten und Orchester; häufig für den Gottesdienst.
„Bach komponierte fast wöchentlich eine neue Kantate für den Gottesdienst in Leipzig.“
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B2
anspruchsvoll
demanding; sophisticated – Stellt hohe Anforderungen; erfordert große Fähigkeiten oder intensives Nachdenken.
„Die Spätwerke zählen zu den intellektuell anspruchsvollsten Werken seiner Schaffenszeit.“
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B2
unvollendet
unfinished – Nicht zu Ende gebracht; nicht fertiggestellt. Vollenden = to complete; un- = negation.
„Die Kunst der Fuge blieb unvollendet – Bach starb, bevor er sie fertigstellen konnte.“
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C1
der Wanderarzt, -ärzte
traveling physician – Ein Arzt, der nicht an einem festen Ort praktizierte, sondern von Stadt zu Stadt zog.
„Bach ließ sich von einem britischen Wanderarzt operieren – mit katastrophalen Folgen.“
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B2
erblinden
to go blind – Das Augenlicht verlieren; blind werden. Er- + blinden = Zustandswechsel: von sehend zu blind.
„Nach der missglückten Operation erblindete Bach dann vollständig.“
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B2
der Schlaganfall, -fälle
stroke (medical) – Plötzlicher Ausfall der Gehirnfunktion durch eine Durchblutungsstörung; medical emergency.
„Bach starb vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls am 28. Juli 1750.“
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B2
in Vergessenheit geraten
to fall into oblivion – Nicht mehr bekannt oder beachtet werden; vergessen werden. Vergessenheit = state of being forgotten.
„Nach seinem Tod geriet Bach in Vergessenheit – fast 80 Jahre lang.“
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B2
das Fundament, -e
foundation; bedrock – Die Grundlage, auf der etwas aufgebaut ist. Im übertragenen Sinne: die Basis für etwas.
„Heute gilt Bach als eine Art Fundament der westlichen Musik.“
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Bachs Leben war voller Wendepunkte, Konflikte und musikalischer Höhepunkte. Hier ist ein kompakter Zeitstrahl der wichtigsten Stationen.
🕐 Zeitstrahl: Johann Sebastian Bach (1685–1750)
| Jahr | Station |
|---|---|
| 21. März 1685 | Johann Sebastian Bach wird in Eisenach, Thüringen, geboren – in eine Musikerfamilie. |
| 1694–1695 | Mutter stirbt (Bach ist 9), Vater stirbt kurz danach. Bach ist Vollwaise mit 10 Jahren. Er zieht zu seinem Bruder Johann Christoph nach Ohrdruf. |
| 1700–1702 | Bach geht nach Lüneburg, arbeitet als Sängerknabe und bildet sich weiter – ca. 350 km von Eisenach entfernt. |
| 1703 | Organist in Arnstadt. Erste feste Stelle. |
| 1705–1706 | Bach bittet um 4 Wochen Urlaub, geht zu Fuß ca. 400 km nach Lübeck, um Dietrich Buxtehude zu hören. Aus 4 Wochen werden 4 Monate. Skandal mit dem Kirchenvorstand. |
| 1707 | Organist in Mühlhausen. Heiratet Maria Barbara Bach, seine Cousine. |
| 1708–1717 | Weimar: Hoforganist, später Konzertmeister. Entstehung der Toccata und Fuge in d-Moll. 1717: Gefängnishaft (4 Wochen), weil er hartnäckig auf Entlassung besteht. |
| 1717–1723 | Köthen: Kapellmeister für Fürst Leopold. Produktivste Phase: Brandenburgische Konzerte, Wohltemperiertes Klavier. 1720: Maria Barbara stirbt während Bachs Reise. |
| 1721 | Bach heiratet Anna Magdalena Wilcke, eine talentierte Sängerin. |
| 1723–1750 | Leipzig: Thomaskantor. über 200 erhaltene Kantaten, Matthäuspassion, Johannespassion, H-Moll-Messe. |
| 1747 | Besuch bei Friedrich dem Großen in Potsdam. Das Musikalische Opfer entsteht danach. |
| 1749–1750 | Bachs Sehkraft verschlechtert sich (grauer Star). Augenoperation durch den brit. Wanderarzt John Taylor schlägt fehl. Bach erblindete vollständig. |
| 28. Juli 1750 | Johann Sebastian Bach stirbt in Leipzig, vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wurde 65 Jahre alt. |
| 1750–1829 | Bach gerät weitgehend in Vergessenheit. Der musikalische Geschmack ändert sich; seine eigenen Söhne sind bekannter. |
| 1829 | Felix Mendelssohn Bartholdy dirigiert die Matthäuspassion in Berlin – Ausgangspunkt der Bach-Renaissance. |
| Heute | Bach gilt als Fundament der westlichen Musik. Seine Werke werden weltweit in Konservatorien studiert. In der Thomaskirche Leipzig finden regelmäßig Aufführungen statt. |
📚 Sprach-Tipp: stur vs. hartnäckig vs. beharrlich
| Wort | Bedeutung | Konnotation |
|---|---|---|
| stur | refuses to change one's mind; stubborn | negativ – unreasonably inflexible |
| hartnäckig | persistent; keeps trying despite obstacles | neutral bis positiv – tenacious |
| beharrlich | persevering; steadily pursuing a goal | positiv – grit, determination |
🎵 Bachs bekannteste Werke
| Werk | Entstehungszeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Toccata und Fuge in d-Moll | ca. 1703–1707 (Weimar) | Bekanntestes Orgelwerk überhaupt; dramatisch und virtuos |
| Brandenburgische Konzerte (6 Stück) | 1721 (Köthen) | Meisterwerk des Barockkonzerts |
| Wohltemperiertes Klavier | 1722 (Köthen) | Pionierwerk der gleichschwebenden Stimmung |
| Matthäuspassion | 1727 (Leipzig) | Monumentales Vokalwerk; von Mendelssohn 1829 wiederentdeckt |
| Goldberg-Variationen | 1741 (Leipzig) | Spätwerk; mathematisch und meditativ |
| Kunst der Fuge | 1748–1750 (Leipzig) | Unvollendet; Bach starb während der Komposition |
| Das Musikalische Opfer | 1747 (Leipzig) | Entstand nach dem Besuch bei Friedrich dem Großen |

